Wespen, Schwerpunkt Faltenwespen
Sie finden hier weder Vorurteile noch Beschönigungen. Ich möchte diese Gruppe objektiv und informativ darstellen, bilden Sie sich selbst Ihr Urteil.
Der oft negative Ruf, der den Tieren vorauseilt, beruht meist auf (haltlosen) Vorurteilen und Unkenntnis. Wirklich aggressiv reagieren die meisten Tiere lediglich bei direkter Bedrohung und vor allem bei Störungen in der Nähe Ihres Nestes. Einfache Frage an Sie: Sie würden doch vermutlich auch nicht tatenlos zusehen, wenn sich jemand an Ihrem "Nest" (= Haus) zu schaffen macht, oder? ;-)
Übrigens: Viele Bilder dieser Seite sind ohne einen einzigen (Wespen)Stich entstanden, oftmals ohne jegliche spezielle Schutzkleidung, auch die in unmittelbarer Nähe zu den Nestern. Nichtsdestotrotz: Besonders Allergiker sollten vorsichtig sein und einige Umgangsformen sollten gewahrt werden!
Was ist nun eigentlich eine Wespe? –
Ein gelb-schwarz-gestreiftes Tier mit Wespentaille?
Der Begriff der "Wespe" ist kein korrekter systematischer Begriff in der Biologie, sondern eine Zusammenfassung verschiedene Gruppen.
Tatsächlich gibt es aber allein in Deutschland rund 600 weitere Wespenarten! Diese Website möchte daher näher auf die Arten eingehen, die die meisten mit dem Begriff "Wespe" verbinden, die Vertreter der Familie der sozialen Faltenwespen (Vespidae). In Deutschland gibt es neun Arten sozialer Faltenwespen. Der Name stammt übrigens von der Tatsache, dass die Flügel in Ruhestellung in Längsrichtung gefaltet werden.
Bei der Familie unterscheidet man zwei Unterfamilien mit folgenden Vertretern:
- Papierwespen (Unterfamilie Vespinae)
- Kurzkopfwespen
- Deutsche Wespe (Paravespula germanica)
- Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris)
- Rote Wespe
- Langkopfwespen
- Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica)
- Norwegische Wespe
- Mittlere Wespe
- Waldwespe
- Hornisse (Vespa crabro)
- Kurzkopfwespen
- Feldwespen (Unterfamilie Polistinae)
- Zierliche oder Gallische Feldwespe (Polistes dominulus)
Bekannt sind in der Regel meist die acht "prominenten" Papierwespenarten, die hierzulande (zumeist zu Unrecht) berühmt-berüchtigt sind, darunter die größte einheimische Art, die Hornisse, und vor allem die meistens am Kaffeetisch und in Bäckereien lästig werdenden beiden Arten Deutsche Wespe und Gemeine Wespe. Weniger bekannt sind die Feldwespen.
Papierwespen (Vespinae)

Zu dieser Gruppe zählen die Tiere, die man am ehesten mit dem Begriff "Wespe" in Verbindung bringt.
Von diesen neun Arten sozialer Faltenwespen fallen uns hauptsächlich zwei Arten als "Störenfriede" am Kuchentisch (zumeist ab Spätsommer) auf:
- Die Deutsche Wespe (Paravespula germanica), die auf dem Kopfschild drei schwarze Punkte aufweist (können auch schwach bis kaum ausgebildet sein, z.T. auf einen kräftigen Punkt reduziert bzw. zu diesem läuft ein schmales schwarzes Band).
- Die Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris), bei der die Zeichnung des Kopfschildes wie ein schwarzer Pfeil aussieht, der nach unten weist.
Beide Arten sind sehr individuenreich und bevorzugen als Nistplatz dunkle Höhlen, aufgrund Mangel an natürlichen Möglichkeiten leider oft auch in unserer Nähe, z.B. in Rollladenkästen.
Diese beiden Arten sind es in den meistens Fällen, die lästig werden und deren Völker leider auch sehr individuenreich werden können.
Alle anderen Arten treten seltener auf und werden für gewöhnlich auch nicht lästig.
Sächsische Wespe
(Dolichovespula saxonica)
Die Tatsache, dass sie ihre Nester gerne an geschützten Stellen wie Dachvorsprüngen oder den Holzbohlen von Balkonen und Terrassen bauen, wird dieser Art in Siedlungsnähe leider oft zum Verhängnis.
Die Völker werden nie sehr groß (meistens um die 200 bis 300 Tiere), doch fällt ihr Nest durch die exponierte Lage auf. Das hat zur Folge, dass diese oft zerstört werden und die Art deshalb leider seltener wird.

Norwegische Wespe
(Dolichovespula norwegica)
Zwar in Mitteleuropa generell verbreitet, aber eher in waldreichen Gebieten zu finden, ist diese Art. Diese baut ihre Nester bevorzugt in Bodennähe. In freier Natur sind dies Stellen in Gebüschen, Wurzeln oder Totholz.
Das Stirnschild trägt einen leicht rauteförmigen schwarzen Fleck und der Hinterleib ist leicht rötlich.

Mittlere Wespe
(Dolichovespula media)
Diese Art kommt ebenfalls seltener vor und wird etwas größer als Deutsche und Gemeine Wespe.
Sie wird daher auch gerne auch als "Kleine Hornisse" bezeichnet. Im Gegensatz zur "echten" Hornisse sind die Arbeiterinnen deutlich dunkler gringelt (und natürlich kleiner).
Das Stirnschild trägt einen senkrechten Strich. Die Nester werden häufig offen an geschützten Stellen gegründet. Die Tiere sind harmlos und die Völker erreichen selten mehr als 100 bis 200 Individuen. Zudem endet die Saison für diese Art zumeist bis Ende August.
Waldwespe
(Dolichovespula sylvestris)
Seltener im Siedlungsbereich anzutreffen und auch keine häufige Art. Ihr Nest findet sich an geschützten Stellen in Bodennähe.
Das Stirnschild trägt einen einzelnen Punkt, der manchmal kaum erkennbar ist.
Eine weitere Art, die leider selten geworden ist und alleine schon durch ihre Größe und das tiefe Brummen auffällt, ist die Hornisse (Vespa crabro), die zoologisch gesehen nichts weiter ist als eine große Wespe. Als größte einheimische Wespe ist sie schon etwas Besonderes und sie steht zudem unter besonderem Schutz (BArtSchVO).
Daher möchte ich diese Art noch etwas näher vorstellen - nicht zuletzt, da sehr viele Leute eine (unbegründete) irrationale Angst vor Hornissen haben: Die Hornisse (Vespa crabro)
Ein Wespenvolk lebt nur einen Sommer
Bei uns besteht ein Wespenvolk nur für ein Jahr, d.h. im Herbst sterben alle Individuen bis auf die jungen, befruchteten Königinnen. D.h.: Haben sich bei Ihnen Wespen eingenistet, müssen Sie diese lediglich bis Spätsommer/ Herbst aushalten, danach verschwinden diese von alleine (mehr unter: "Umsiedlung von Wespennestern")! Die jungen Königinnen suchen sich einen geschützten Platz zum Überwintern.

Staatengründung: Im Frühjahr gründet eine begattete Jungkönigin eine neues Nest. Je nach Witterung verlassen die Königinnen im Frühjahr ihr Winterquartier und begeben sich auf die Suche nach einem Nistplatz. Je nach Art werden Höhlungen oder geschützte offene Stellen bevorzugt (Bilder siehe Kapitel Umsiedlung). Baumaterial für die Nester ist eine Art Pappmaché, das aus abgeraspeltem Holz versetzt mit Speichel entsteht und nach dem Aushärten die papierartigen Wände bildet. Da die Waben von einer mehrschichtigen Papierhülle umgeben werden, bezeichnet man die Vertreter dieser Unterfamilie als Papierwespen.
Wespenalltag:
Die Königin zieht zunächst in Einzelarbeit Arbeiterinnen groß, die später dann für sie und die Brut sorgen. Vom Frühjahr bis zum Spätsommer schlüpfen nur Arbeiterinnen die für die Nahrungsbeschaffung, den Nestbau, Nachwuchsaufzucht und die Verteidigung des Nestes zuständig sind. Bei zu warmen Temperaturen sieht man oft Tiere am Nesteingang mit den Flügeln frische Luft in den Bau "wedeln".
Erst im Herbst entstehen aus befruchteten Eiern Königinnen und aus unbefruchteten Männchen. Während des Hochzeitsfluges werden die Königinnen begattet.
Nahrung: Wespen (und damit auch Hornissen) leben vorwiegend räuberisch. Für ihre Brutaufzucht benötigen sie Fleisch, sei es Aas oder andere Insekten. Sie spielen somit eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem bei der Beseitigung toter Tiere und der "Kleinhaltung" anderer Insekten (wozu auch viele Schädlinge zählen). Lediglich für ihren eigenen Energiehaushalt benötigen sie auch Kohlenhydrate und somit zuckerhaltige Nahrung – neben Obst fühlen sie sich also auch von unseren Fruchtsäften und Kuchen angesprochen. Obwohl Wespen und Hornissen ebenso wie die Honigbienen staatenbildend sind, betreiben sie keine Vorrathaltung oder produzieren Honig wie die Honigbiene - ein Grund, weshalb Rauch nur bei Bienen, nicht aber bei Wespen beruhigend wirkt.
Kalkulierbare Gefahr
Wespen, und damit auch die Hornissen, stehen zu Unrecht unter dem Verdacht gefährlicher als die Honigbiene zu sein. Geschichten, dass 3 Hornissenstiche einen Mensch töten könnten, sind falsch. Ihr Stich ist NICHT gefährlicher als der einer Honigbiene. Lediglich Allergikern kann der Stich wirklich gefährlich werden. Gerade die großen Hornissen sind extrem friedfertig und greifen Menschen nur bei Bedrohung oder bei Gefahr für ihr Nest an. Man sollte sich sogar über ein Hornissennest in der Nähe freuen, andere Wespen zählen nämlich auch zu ihrer Beute.
Werden einige Verhaltensregeln beachtet, ist durchaus ein friedvolles Miteinander mit Wespen (und Hornissen sowieso) möglich.
Feldwespen (Polistinae)


Die Bilderreihe zeigt die Zierliche oder Gallische Feldwespe (Polistes dominulus), die sich in Süddeutschland gut ausgebreitet hat und in Baden-Württemberg und Südwestbayern besonders im Sommer häufig anzutreffen ist.
Zu dieser Gruppe zählen den Papierwespen sehr ähnliche Tiere, ebenfalls rund 1 - 1,5 cm groß, aber wesentlich schlanker. Der Hinterleib fällt bei den Feldwespen zur Wespentaille eher langsam, flach ab, während er bei den Papierwespen abrupt abfällt.

Die beiden Gruppen unterscheiden sich auch vom Nestbau:
Die Feldwespen-Arten bauen kleinere Nester, die interessanterweise zum Teil von mehreren Weibchen zusammen gegründet sein können. Der Staat besteht zumeist nur aus 20-30 Tieren, selten sind die Staaten größer. Die Nester sind normalerweise offen, werden also von keiner (Papier-)Hülle umgeben. Ernährt wird der Nachwuchs aber auch hier mit Insekten.
Das Nest wird meistens an Pflanzenteilen gebaut, aber auch geschützte andere Stellen werden gerne genommen. Besonders viele Nester fand ich beim Spaziergang im Naturschutzgebiet Biedensand (Lampertheim, Südhessen), in dem die Hinweisschilder mit schmalem Dach gerne als Nistplatz angenommen wurden.













